Ein geheimnisvoller Funke „von irgendwo her“ wäre es, der des Menschen Geist entzündet und ein Kunstwerk entstehen lässt, formulierte einst Paul Klee. Das kann ein einzelner Vorgang, aber auch ein aristotelischer Anstoß sein, der eine lebenslang drängende Bewegung einleitet. Diese lässt nun Werk um Werk entstehen auf der Suche nach dem Absoluten – mit dem Stachel freilich, dass nur Annäherung aber niemals Ankunft gelingen kann.

Begegnungen mit dem Maler Günter Patoczka und seinen Arbeiten lassen in diese Richtung denken. Denn er setzt unermüdlich neu an, wie ein Dürstender, der nach Wasser gräbt, zunehmend in sich selber, weil er fühlt, dass ihm hier der Kosmos am nächsten ist.

Günter Patoczka ist 1956 in Gmunden geboren. Künstlerische Anregung hat er wohl schon von seiner Mutter erfahren, die Keramikmalerin war. Richtungweisend aber war ihm eine Begegnung mit dem Bühnenbildner Professor Heinz Bruno Gallee, der den nicht recht glücklichen HTL – Schüler in Salzburg ans Mozarteum empfahl, wo dieser dann sehr viel erfolgreicher (mit Diplom 1977) die Klassen für Bühnenbild, Kostüme und Theatermalerei absolvierte. Im Team Professor Schneider – Siemssens sammelte er dann in ganz Europa Theatererfahrung, war anschließend Technischer Leiter im Schauspielhaus Wien, Theatermaler an der Staatsoper in München und kehrte schließlich wieder nach Salzburg zurück als Werkstättenleiter und Puppenspieler am dortigen Marionettentheater.

Puppen haben ihn schon immer interessiert, auch szenische Entwurfarbeiten haben Puppenhaftes an sich. Angesichts der baumelnden Marionetten stellte sich eines Tages die Frage, wer wohl bei ihm selber die Fäden zieht. Er wollte es künftig selber tun, begann alle Abhängigkeiten abzustreifen und machte sich 1983 freischaffend selbst auf den Weg. „Können“ hat er bewiesen, es schien ihm zu wenig, „Künden“ schwebte ihm vor. Er strebte jedenfalls nach Wesentlicherem, er wollte hinter die Dinge sehen, ihre „Geschichten“ nachspüren, vor allem ihrer Dualität, diese auch in sich selber erkennen und ihr Gestalt geben. „Form in mir“ lautet einer seiner bezeichnenden Bildtitel.

Die mitunter sehr großformatigen Bilder wurden solcherart immer mehr zu Seelenlandschaften. Viele davon wirken auf den unbefangenen Betrachter wie Schnitte, als verlangten die Kompositionen nach einer Fortsetzung über den Bildrand hinaus. Die ausufernden Abstraktionen haben kein Oben und Unten mehr, seit der Maler seinen Standpunkt relativiert. Arbeiten mit dem Titel „Impuls“, „Verdichtung“ oder „Eruption“ haben leitmotivische Züge, sie folgen nicht den Gesetzen des Euklid, ihre Darstellungsweise ist fraktal wie die Konturen der Berge oder die Linien des Vogelflugs – die Entwicklungsmöglichkeiten sind uferlos. Utopien bleiben nicht ausgeklammert, eine erklärte Sehnsucht nach dem jeweils Anderen überschreitet auch diese Grenzen.

Auch die Farbigkeit der Bilder, anfangs noch zögernd und auf wenige Grundfarben beschränkt, hat sich aus akademischer Enge befreit. Für Außenstehende ist dabei nicht auszumachen, ob eine augenblickliche Laune sie steuert oder eine zwingende Folgerung. Die Farben dienen jedenfalls als Sprache für etwas, das man anders nicht sagen kann.

Patoczka lässt sich nicht eindeutig katalogisieren, es sei auch gar nicht versucht. Das tun auch die Künstlervereinigungen nicht, die ihn als Mitglied schätzen: seit 1985 die Innviertler Künstlergilde, seit 1988 die Berufsvereinigung Bildender Künstler Österreichs und seit 1989 auch die Salzkammergutgilde. Günter Patoczka ist eine der eigenständigsten Malerpersönlichkeiten im Lande, auch einer der ehrlichsten auf der Suche nach dem Urgesetz, das allen Entwicklungen zugrunde liegt.

Dr. Josef Mader